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Dürfen wir vorstellen? Unsere Gewinner*innen des "Farben sind für alle da" Awards

Farben sind für alle da! Davon sind wir fest überzeugt, auch wenn die Realität leider oft noch anders aussieht. Umso mehr freuen wir uns, mit unserem „Farben sind für alle da“ Award jedes Jahr vier tolle Menschen auszeichnen zu können, die sich für eine bunte Kindheit und Gendergerechtigkeit generell stark machen – auf ganz unterschiedliche Weise. Unsere Gewinner*innen des Awards findet Ihr jetzt gesammelt hier! Und wir freuen uns, die Liste schon bald um den nächsten Namen ergänzen zu dürfen!

Joesphine

Josephine Apraku ist Afrikawissenschaftler*in, Autor*in, Trainer*in und Lehrbeauftragte*r für intersektionale rassismuskritische Bildungsarbeit. Josephines Texte erschienen u.a. bei EDITION F und im Tagesspiegel. »Kluft und Liebe«(Eden Books, 2022) untersucht Unterdrückung in Liebesbeziehungen; »Mein Workbook zu Rassismus« und das interaktive Kartenset »Lasst uns über Rassismus reden!«(2023, Familiar Faces) laden Menschen zur rassismuskritischen Selbstreflexion ein.

3 Fragen an Joesphine

Wieso ist Dir eine bunte Kindheit und auch das Thema #farbensindfüralleda persönlich so wichtig?

Joesphine: In meiner Arbeit geht es mir darum, dass Menschen gleichberechtigt zusammenleben, sich frei entfalten und teilhaben können. Dazu gehört,dass wir eine Vision von der Welt entwickeln, in der wir leben wollen.Kinderbücher eignen sich dafür besonders gut, weil sie das Fantastische mit dem Realen verbinden. Kinderbücher können kleine Räume der Utopie sein – zumindest meine.


Auch wenn es natürlich oft vorkommt, dass wir alle mit dem Thema konfrontiert werden — hast Du einen Moment, der Dir besonders (negativ) in Erinnerung geblieben ist?

Joesphine:   Ein großer Teil meiner Arbeit ist emotionale Arbeit, es geht darum, Räume für größere Gruppen mit unterschiedlichem Wissensstand zu schaffen und halten zu können. Gleichzeitig geht es in meiner Arbeit um Unterdrückung, also um komplexe Realitäten, die in Gewalt verankert sind. Das kann ich nur leisten, weil ich regelmäßig wahrnehme, dass die Teilnehmer*innen neue Handlungsoptionen für sich wahrnehmen und diese auch angehen. Das sind für mich die Momente, in denen ich Sinn in meiner Arbeit finde.

Wie gehst Du in solchen Momenten damit um und hast Du Tipps, wie man gelassen aber doch bewusst darauf aufmerksam machen kann?

Joesphine: Ich nehme wahr, dass Menschen in Situationen, in denen sie andere auf diskriminierendes Verhalten aufmerksam machen, oft gestresst sind, weil sie das unrealistische Ziel verfolgen, dass ihr Gegenüber einsichtig ist und das eigene Verhalten ändert. Manchmal ist das der Fall, manchmal nicht. Für mich ist es hilfreich, klar zu sehen, was in meiner Verantwortung und Kontrolle liegt. Die Gefühle und Gedanken anderer gehören nicht dazu. Wenn es sich zum Beispiel um eine Person handelt, mit der ich zusammenarbeite, gebe ich den Hinweis und erkläre auch gerne, was konkret an dem Verhalten diskriminierend ist und überlasse es der Person, was sie mit der Information macht.

3 Fragen an Sukini

Wieso ist Dir eine bunte Kindheit und auch das Thema #farbensindfüralleda persönlich so wichtig?

Sukini:   Ganz grundlegend gesprochen: Diese Lebenszeit, die wir alle haben (von der wir nicht wissen, wie lange sie dauert) ist so kostbar und gleichzeitig so schwierig zu verstehen in dieser Welt, da will ich mich nicht auch noch von völlig absurden Geschlechternormen bevormunden lassen.
Das Patriarchat ist kein Naturgesetz, also sollten wir uns ihm auch nicht unterwerfen. Als Erwachsene, die sich als adultismuskritisch versteht, ist es mir eine Ehre und Pflicht mich solidarisch an die Seite von Kindern zu stellen und ihnen so gut es geht die Steine der Geschlechterlimitierung aus dem Weg zu räumen. 


Auch wenn es natürlich oft vorkommt, dass wir alle mit dem Thema konfrontiert werden — hast Du einen Moment, der Dir besonders (negativ) in Erinnerung geblieben ist?

Sukini:   Einen konkreten Moment mag ich nicht rausgreifen, aber ich will folgende Beobachtung benennen: Ich erlebe, dass Mädchen eher darin akzeptiert werden die coolen, rebellischen ‚Jungssachen‘ zu tragen und zu machen. Jungs und queere, männlich gelesene Kinder werden hingegen auch in vermeintlich aufgeschlossenen Kontexten mehr als kritisch beäugt, wenn sie äquivalent auftreten. Das hat mit der Abwertung von Weiblichkeit zu tun. Und damit, dass Frauen in mehr als 2 Jahrhunderten (wenn man bspw ab Olympe de Gouges rechnen mag) in verschiedenen feministischen Epochen Selbstbestimmungen erkämpft haben, die sich cis Männer in der patriarchalen Logik immer noch gegenseitig verbieten. Hier ist noch viel Handlungsbedarf. 

Wie gehst Du in solchen Momenten damit um und hast Du Tipps, wie man gelassen aber doch bewusst darauf aufmerksam machen kann?

Sukini:   Meiner Erfahrung nach ist eine Demonstration von Selbstverständlichkeit immer wirksam: Natürlich mache ich das so, wie ich es will! Natürlich brauche ich niemandes Erlaubnis dafür! Natürlich stehe ich für andere ein, die sich noch nicht getrauen diese Selbstverständlichkeit zu artikulieren oder nicht ausreichend ernst genommen werden!
Wer von Machtstrukturen eingeschränkt oder unterdrückt wird, darf nicht auch noch Unsicherheit und Irritation mit sich rumtragen müssen. Ich bleibe auch im Konflikt respektvoll, aber ich haue respektvoll mit der Faust auf den Tisch. Der wertvollen Lebenszeit wegen.

3 Fragen an Mirja

Wieso ist Dir eine bunte Kindheit und auch das Thema #farbensindfüralleda persönlich so wichtig?

Mirja:   Kinder sollten sich frei entfalten und ihre Persönlichkeit entwickeln können. Diese Möglichkeit wird ihnen genommen, wenn unsere Gesellschaft vorgibt, was sie mögen und wie sie sein sollten. Man sollte Kinder einfach nicht in Schubladen stecken, sondern ihnen zugestehen, sich auszuprobieren und zu finden. Ich halte nicht viel von künstlichen Grenzen und glaube, dass alle Menschen glücklicher sind, wenn sie sie selbst sein dürfen.


Auch wenn es natürlich oft vorkommt, dass wir alle mit dem Thema konfrontiert werden — hast Du einen Moment, der Dir besonders (negativ) in Erinnerung geblieben ist?

Mirja:   Dazu sammle ich regelmäßig Erfahrungen auf meinem Account und eins meiner Highlights ist die Frage „Sind Sie sicher?“ auf die Aussage, dass das Kind mit der rosa Mütze ein Junge ist.

Wie gehst Du in solchen Momenten damit um und hast Du Tipps, wie man gelassen aber doch bewusst darauf aufmerksam machen kann?

Mirja:   Das ist sehr situationsabhängig. Ich hab oft gar keine Kapazitäten zu diskutieren, gleichzeitig möchte ich aber durchaus etwas sagen, wenn meine Tochter daneben steht und ein Spruch kommt. Gute Erfahrungen habe ich mit schlichten Rückfragen gemacht: „Das ist für Mädchen.“ – „Warum?“ – „Weil das Rosa ist.“ – „Aber warum sollte Rosa für Mädchen sein?“
Viele wissen darauf keine Antwort (weil es ja auch keine gibt) und sind irritiert. Im besten Fall wird darüber nachgedacht. Und das eigene Kind hat mitbekommen, dass man das nicht hinnimmt, sondern hinterfragt. Das halte ich für wichtig – ich kann nicht zu Hause ständig erzählen, dass Farben für alle da sind und es gleichzeitig stehenlassen, wenn etwas anderes behauptet wird.

3 Fragen an Anika und Sarah vom KINDERSTARK MAGAZIN

Wieso ist Euch eine bunte Kindheit und auch das Thema #farbensindfüralleda persönlich so wichtig?

Als Eltern eines bald 10jährigen Kindes kommen wir um das Thema Gendermarketing gar nicht herum. In Spielzeuggeschäften, Drogerien, im Supermarkt, in Kinderbüchern, in Fernsehsendungen, im Kino, überall begegnet uns Gendermarketing und die damit geschlechtersterotypen Abbildungen und Darstellungen. Für unser Kind, für andere Kinder und letztlich auch für uns selbst, versuchen wir mit unserer Arbeit ein Gegengewicht zu schaffen – damit Menschen – und insbesondere Kinder- nicht in Schubladen gesteckt werden und ihre Vorlieben, Wünsche, Träume, Interessen, Hobbies, Lieblingsfarben, etc. frei und selbstbestimmt wählen können. Menschen sollen sich frei entfalten dürfen und sich nicht für die Dinge, die sie mögen, schämen müssen oder gar dafür gemobbt werden.

Auch wenn es natürlich eine Vielzahl an Momenten gibt, an denen wir täglich mit der Rosa-Hellblau-Falle konfrontiert werden — habt ihr ein oder zwei Momente, die euch besonders (negativ) in Erinnerung geblieben sind?

In einem Sportschuhgeschäft wurden wir einmal mit unserem männlich gelesen Kind lautstark zurückgerufen, als wir es wagten, uns der „Damenschuhabteilung“ zu nähern. Als unser Kind dann tatsächlich einen Sneaker aus der „Damenschuhabteilung“ auswählte, wurde dieser von der Verkaufsperson ganz entsetzt als „reiner Damenschuh“ bezeichnet.

Allerdings wurde uns einmal in einem anderen Schuhgeschäft von einer Verkaufsperson geraten, doch mal nach dem Sneaker in passender Größe in eben jener „Damenabteilung“ zu schauen, denn – so sagte die Verkaufsperson – „es sind ja natürlich die gleichen Schuhe“.

 

Wie geht ihr in solchen Momenten damit um und habt ihr Tipps, wie man gelassen aber doch bewusst darauf aufmerksam machen kann?

Wenn es möglich ist, dann kann es hilfreich sein, der Situation mit Humor zu begegnen und damit die Absurdität der Situation aufzuzeigen. Auf die Frage „Für Jungen oder Mädchen“ kann schon mal die Antwort „für Kinder“ oder „für Füße / Hände / Lippen, etc. „ein kurzes Innehalten bewirken.

Unsere liebsten Texte von Nils

Für Euch gesammelt: Einige der wichtigsten Texte, die Nils zum Thema Geschlechterklischees in der Kindheit geschrieben hat – alle mindestens so lesenswert wie seine Sachbücher und natürlich auch sein Kinderbuch! Das gehört übrigens – finden wir – in jedes bunte Kinderzimmer!

Kinderbuch „Seeräubermädchen und Prinzessinnenjunge“

Sachbuch: „Prinzessinnenjungs. Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien.“

Sachbuch: „Lebenskompliz*innen. Liebe auf Augenhöhe.“

Artikel: „Kein Pink ist auch keine Lösung“

Artikel: „Vaterschaft ist kein Urlaub“

Artikel: „Das Rückgrat der Gesellschaft“